Word On Sound Konferenz - Die b2b Plattform für Musik 2/2

13. September 2012 - Magazin
Verfasser: Christian Holtz

Auch am Freitag lud die „Word On Sound“ erneut zu dutzenden Workshops, Präsentationen und Diskussionen aller Art. Zugegeben, mit dem Finale des Berliner Music Award ist das Highlight der Music Week  schon Mittwoch vom Stapel gegangen -  wir haben es uns dennoch nicht nehmen lassen, uns tagsüber unters diskutierende Kreativvolk zu mischen.

 

 

Noisy-Rooms Workshop: Rechteverwertung

Wie schon am Vortag richtete sich die Noisy Musicworld mit verschiedenen Workshops an die praktischen Belange der Künstler. Neben Recording, neuesten Technikfinessen im Elektrobereich, Crowdfunding, Songwriting und vielen anderen Bereichen war eines der großen Tagesthemen erneut die aktuellen und neuen Möglichkeiten der Rechteverwertung.

Eine Initiative, die derzeit auf dem Weg ist eine alternative Verwertungsgesellschaft zu gründen war dabei die Cultural Commons Collecting Society. Inwieweit ihr vorgestelltes System "C3S" angenommen wird kann sich erst innerhalb des nächsten Jahre zeigen. Fakt ist, dass "C3S" auf der Grundlage von CreativeCommons-Lizenzen fußt, sprich eine freie Nutzung der Musik für nichtkommerzielle Zwecke. Für die kommerzielle Nutzung soll nun die Möglichkeit entstehen, faire Wertschöpfungsmöglichkeiten für den Künstler im Rahmen kommerzieller Nutzung  zu nutzen. Klartext: CC-Lizenzen erlauben natürlich nicht die narrenfreie Verwendung und Aufführung von Musik. Ohne aber den Weg der GEMA-Mitgliedschaft nehmen zu müssen, will die Initiative Abrechnungssystem und Ansprechpartner werden, um auch unter anderweitiger Lizenzierung eine transparente Wertschöpfung aus Vervielfältigung, Verwendung und Aufführung zu gewährleisten. Mehr dazu unter http://c3s.cc/

 

In Sachen Filmmusik stellte die Firma rightclearing ihr Portal zur Vereinfachung von Musik-Lizensierung vor, dass Vertragsformalitäten auf beiden Seiten deutlich vereinfachen soll. Das junge Schweizer Start-Up bietet sowohl Musikern als auch Filmemachern ein vollautomatisiertes System ohne bürokratische Zwischeninstanz an. Pro für den Musiker: verschiedene Vertragsoptionen und freie Bestimmung der Tantiemenhöhe, die bei Vertragsabschluss zu 100% direkt ausgezahlt wird. Pro für Nachfrager: je nach Budget bietet die Datenbank gemäß Genre, Instrumentierung und Stimmung mittels spezieller Filtertechnik möglichst identische Alternativen im jeweiligen Budget an. Je nach Verwendungsart und –häufigkeit sind die Lizenzgebühren unterschiedlich gestaffelt. Ein rechtskräftiger Vertrag wird durch rightclearing bei Abschluss generiert. Kostenpunkt für den Lizenznehmer: 10% Aufschlag auf die Tarifvereinbarung gehen als Pauschale an rightclearing.

 

 

Der Deutsche Musikmarkt: Halbjahreszahlen und Aussicht

Es bleibt Verhalten mit der Euphorie; dennoch zeigte sich in den aktuellen Statistiken vom Bundesverband Musikindustrie erstmals seit langem ein gewisses Maß an Zufriedenheit als bekannt gegeben wurde, dass sich mit einem leicht gesteigertem Gesamtumsatz von 1,67 Mrd. € in 2011 eine vorsichtige Trendwende abzuzeichnen scheint. Im Vergleich zu anderen Märkten behauptet sich in Deutschland dabei mit 73,8% der gesamten Musikverkäufe die CD als stärkste Umsatzsäule. Wenngleich der Anteil an physischen Tonträgern in kommenden Jahren laut GfK mit einem Rückgang von 7% pro Jahr prognostiziert wird, stellen die zweistelligen Wachstumsraten im legalen Online-Musikanbieter ein wachsendes Gegengewicht da und lassen auch in den kommenden Jahren weiter auf positive Entwicklung hoffen. Interessante, Details, Statistiken, Pro- und Contra zu Absatz, Käuferstatistiken, Nutzungsgewohnheiten etc. stellt der BVMI online auf seiner Homepage bereit.

 

 

Panel: Clubs und Konzerte in Gefahr

Gentrifizierung - das Thema, welches seit einigen Jahren die Gemüter der Berliner Bevölkerung erhitzt, zieht mittlerweile automatisch auch die Debatte um das rasant voranschreitende Clubsterben nach sich. Schon lange Zeit vor der Frage wann in Prenzlauer Berg der letzte Club seine Türen schließen mag, begann die Berliner Club Commission sich mit den Problemen und der Frage zu beschäftigen, wie man dem Phänomen langfristig entgegenwirken kann. Am vergangen Freitag trafen sich verschiedene Vertreter der Club Comission um den aktuellen Stand der Dinge zu präsentieren. Anstatt den Fokus dabei nur auf Berlin zu setzen, stellte sich interessanter Weise heraus, dass andere Großstädte wie Köln und München derweil ähnlichen Entwicklungen zu kämpfen haben. Während in München bereits Stimmen nach einer Wiedereinführung der Sperrstunde ab 01 Uhr laut wurden, beginnt man sich seitens der Clubbetreiber um einen Dialog mit Anwohnern zu bemühen, u.a. durch die Einrichtung einer Beschwerdehotline.

Anders in Köln: hier sieht man sich im Zuge der Ausnahmeregelungen für alle Karnevalsveranstaltungen einer starken Ungleichberechtigung entgegen, die das Überleben verschiedener Veranstalter latent gefährde. Absurd: scheinbar versucht man in Köln auch Haushaltsdefizite auf Kosten des Nachtlebens einzudämmen: zuletzt wurde der Antrag auf eine „Warteschlangensteuer“ (Sondernutzungsgebühren für Gehwege) erst in letzter Instanz unterbunden.

berlinmusic.tv ist ein Projekt der Initiative der Studenten des Forschungszentrums für Populäre Musik der Humboldt Universität Berlin. Dabei handelt es sich um eine Plattform für Musik aus Berlin: Berliner Musiker, Berliner Bands, Projekte und alle von Berlin inspirierten Musikliebhaber. Wir veröffentlichen Interviews, Portraits, Reviews, Veranstaltungstipps von Berliner Musikern und darüber hinaus in Schrift, Bild, Ton und vor allem Videoformaten.










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