Word On Sound Konferenz - Die b2b Plattform für Musik 1/2

12. September 2012 - Magazin
Verfasser: Christian Holtz

Am vergangenen Mittwoch startete die dritte Ausgabe der Berlin Music Week. Über fünf Tage konnten sich Teilnehmer, Gäste und Fachbesucher aus aller Welt ein klares Bild darüber machen, wie der Status Quo der Musikindustrie und Kreativbereich in 2012 aussieht und welche Trends und Entwicklungen in den kommenden Jahren für Branche und natürlich Musiker selbst relevant werden.

 

 

Noch bevor sich am ersten Abend in verschiedensten Clubs rund um Freidrichshain-Kreuzberg die ersten Showcases warmspielten, wurde um 11Uhr die neu gestartete B2B-Plattform „Word On Sound“ eingeläutet. Auch wenn nicht offiziell als Nachfolgemesse sondern unter neuem, eigenen Konzept vorgestellt, trat die „Word On Sound“ in diesem Jahr als neues Konferenz- und Netzwerkzentrum für die eingestampfte Popkomm hervor, die nach sinkenden Teilnehmerzahlen in den vergangenen Jahren deutlich an Aufmerksamkeit verlor.

 

In der Tat vermittelte das Programm an Konferenzen, Panels, Diskussionen und Workshops den Eindruck, mehr als nur ein Lückenfüller zu sein. Weniger Produktvorstellung, mehr Raum für Debatte, nicht nur durch Bracheninterne sondern auch einen sichtbaren Einbezug von Teilnehmern aus Politik und Kultur. Den über 2000 Delegierten der Word on Sound wurden mit festen Schwerpunkten ein durchdachteres Konzept serviert, die zahlreich geladenen Showcases bewusst von der plattform getrennt. Bi Nuu, Monarch, Tante Emma oder die jüngst eröffnetten FluxBay & Prince Charles u.v.w. - in eigenständigen Locations hatten die Bands und Artists im Vergleich zum letzten Jahr auch zeitlich abgekoppelt die Chance als eigenständige Komponente der Music Week stattzufinden. Ohne dabei tagsüber hinter dem Konferenzgeschehen unterzugehen.

 

Von den zahllosen Panels haben wir uns am Mittwoch und Donnerstag einige etwas genauer zu Gemüte geführt. Obwohl es unmöglich war, alle Themenfelder mitzunehmen hier ein kurzer Einblick in drei der Veranstaltungen:

 

Music Supervisor Sessions

In der ersten Veranstaltung der „Mostwanted Music“-Reihe traten verschiedene in Berlin ansässige Produzenten und Verleger in einer Live-Pitchsituation unter das Urteil von Angela Leus (Director of Film Music, Universal Pictures). Mit hochkarätiger Moderation von Tess Taylor (President NARIP, größtes Labelnetzwerk weltweit) gab sie Einblicke in ihre Tätigkeit bei der musikalischen Bemusterung von Hollywoodproduktionen wie American Reunion. Ohne erwartet scharfe Kritik zu üben, ordnete sie gepitchten Tracks auf ihre tendenzielle Eignung für Film, Promo, Werbung, Feature oder Serie ein. Positiv prädestiniert fielen insbesondere die Tracks „Monsters“ der Newcomerband Abby ein Track von Me and my Drummer, vorgestellt vom Berliner Verlag Buddemusic. Im Verlauf des Panels verwies Leus auf die Schwierigkeit hin, geeignete Musik auffindbar und unterscheidbar zu machen und wiederholte mehrfach die enorm gestiegene Rolle der Metadaten im Zeitalter des Internets.

 

 

Rock’n’Roll & Rente? Ein Kreativpakt für soziale Sicherheit und ein modernes Urheberrecht

Moderiert von Siegmund Ehrmann (Kulturpolit. Sprecher SPD), traten in der Diskussion am Donnerstag Abgeordnete, Musikschaffende, und Vertreter der Musikwirtschaft zuammen, um Weiterentwicklungschancen der Kreativbranche zu besprechen. Ein Anstoß gab Eva Klitz vom Verband unabhängiger Musikunternehmen: bisherige Fördermaßnahmen zielten zu sehr auf die Vorwirtschaft anstatt direkt auf Künstler ab. Vertreten durch Zoe.Leela stellte sich auf Künslterseite ebenso heraus, dass ebenso eine intensive Vernetzung häufig durch mangelnde Beratungsmöglichkeiten für die Musiker erschwert würde. Als Verfechterin von Creative Commons Lizenzen wies sie ferner auf eine mangelnde Marktakzeptanz des Lizenzmodells hin, um traditionelle Vertriebswege und Potentiale des Digitalzeitalters für den Einzelkünstler effektiv nutzen zu können. Seitens der Politik lautete das Credo, vorhandene Strukturen auf ihre Schwachstellen zu prüfen statt das Problem mit dem pauschalen Schaffen neuer Fördertöpfe zu erledigen.

Lars Klingbeil (SPD-Ausschuss für Kultur und Medien) entgegnete mit der Vorstellung des Kreativpakts, in dem in zweijähriger Arbeit mit Vertretern aus Politik, Musikwirtschaft und vor allem Künstlern die neuen Rahmenbedingungen für die sinnvolle Kulturförderung im 21. Jahrhundert definiert wurden. Genaueres zum Kreativpakt enthüllte Frank-Walther Steinmeier am Freitag in einer tiefergehenden Rede im FritzClub.

 

 

Podiumsdiskussion zum Themenkreis Urheberrecht und Verlagsinterressen

Den Abschluss des Konferrenztages lieferte am Donnerstag die rege besuchte Diskussion zwischen zwei juristischen Vertretern von Youtube und GEMA. Unter der Leitung von Rolf Budde entwickelte sich die exklusive Frontalbegegnung nicht exakt zu dem, was Budde sich mit bewussten Schmunzeln als endgültige Lösung um den Konlfikt über angemessene Leistungsschutzzahlungen vorstellte. Die Sympathie des Publikums lag klar bei der GEMA – Motto der Stunde: Wie lange wird Youtube noch Contentnachschub für das Geschäftsmodell bekommen, um Umsätze durch Werbegelder zu generieren ohne eine angemessene Entschädigung der Künstler? Entgegende Argumente zum automatisierten Trackingsystem für GEMA-pflichtigen Aufnahmen konnten gegebenfalls Labelinteressen beidienen, ließen jedoch viele Fragen zum Leistungsschutz von Kompostionen und Textdichtungen offen. Auch das gern verwendete Argument des Hostproviders ohne Verantwortlichkeit für Inhalt konnten im festgefahrenen Streit erneut keine Loorbeeren ernten. Lösungsvorschlag von Verlagsseite nach langem Geplänkel: Beide Parteien willigen durch Content ID-Technologie einer Art Rundfunkabrechnungssystem ein unter Offenlegung der Werbeeinnahmen für das Videoportal. Wir sind auf die Kooperationsbereitschaft von Youtube gespannt...

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