Deutschmetal

Deutschsprachiger Metal wird zwar gerade wieder aktuell (»Man spricht Deutsch« von Callejon erschien am 11.1.2013), ist aber immer noch die Ausnahme. Warum eigentlich? ...

Englische Texte dominieren klar die härteren Substile. Wir haben versucht, Gründe für das Warum zu finden, und wagen einen kleinen Einblick in die deutschsprachige Metalszene.

Anmerkung: Dieser Text soll als work-in-progress verstanden werden. Er ist also noch nicht fertig und wird stetig weiter wachsen. Teilt euer Wissen über die Kommentarfunktion mit uns!

Warum sind die meisten Metaltexte deutscher Bands auf Englisch?

These 1: Der überwiegende Teil deutscher Nachwuchsbands (auch wenn es wehtun mag, auf den ersten Blick herabstufend und traditionalistisch klingt) arbeitet reproduktiv und nicht kreativ. Es werden ein ähnlich perfektes Klangbild und technische Umsetzung dessen angestrebt, was Vorbildbands einst schufen. Deshalb sind die Texte meist auch an die der englischen Vorbilder angelehnt. Eine Thrashmetalband wird immer irgendwie klingen wie Slayer, die frühen Metallica oder Kreator. Eine NWOBHM-Band wie Iron Maiden, Hardcore bleibt Hardcore und eine Metalcoreband klingt wie alle anderen und so weiter. Ist ja auch nicht schlimm, schließlich ist klanglich und technisch guter Metal immer noch geil und effektiv. Eine gute Kopie von Michelangelos Sixtinischen Deckenfresken in der eigenen Plattenbaubude sieht sicherlich auch gut aus. Wer Slayer dieser Tage live sieht, erfährt, dass die alten Songs und damit die alten Formen immer noch am besten Klatschen. Man kann als guter Kopist wahrscheinlich viel Spaß und Erfolg haben. Neue, kreativ erarbeitete Spielarten werden selten erfunden oder angestrebt. Viele Grenzen gibt es nicht mehr zu überschreiten. Einige Instrumentalakrobaten wie Meshuggah oder Animals As Leaders machen wahrscheinlich etwas Neues, denn das Publikum ist live permanent salzsäulenartig fasziniert und guckt erst mal, was die krassen Typen da vorne eigentlich machen. Fazit: englische Vorbilder – englische Nachbilder. Deutsche Bands orientieren sich anfangs meist an englischen Vorbildern und deren Texten. Grenzüberschreitungen wie die aktuelle von Callejon sind immer wieder vorgekommen und könnten vielleicht einen eigenen Vorbildcharakter entwickeln und die Hemmschwelle für deutsche Texte senken.

These 2: Lyrics sind in diesem Fall keine Lyrik. Denn: Viele Metalbands (und Fans) identifizieren sich vordergründig mit dem Sound. Shoutings, Geshredder und fette Soli, Breakdowns und Geknüppel machen gute Texte überflüssig, zumal die sowieso niemand deutlich hören und verstehen kann. Insbesondere die härteren Spielarten des Metal erwecken tendenziell einen besonders harten und spaßbetonten Eindruck, weil Themensetzung, Sprache und verzerrtes Stimmbild die Musik von einem wie auch immer gearteten inhaltlichen Sinn weitestgehend entlasten und das musikalische Ereignis in den Vordergrund stellen. Englische Texte singen sich aufgrund phonetischer Pässlichkeit »leichter«. »Hammer Smashed Face« grunzt sich besser als »Vom Hammerzerschmettertes Gesicht«.

Die oft stark metaphorisierten englischen Texte erlauben auch, sich hinter ihnen zu verstecken. So kann nicht jeder sofort erfassen, worum es geht und es können peinlich-gefühlsbetonte Aussagen oder mangelndes Texttalent/-interesse kaschiert werden. Die üblichen Aussagen transportieren die jeweiligen Werte des Substils. Ausnahmen gibt es natürlich immer wieder, politisch engagierter Metal wird sicherlich mehr Wert auf bedeutende Lyrics legen als progressiver Technical Deathmetal, bei dem technische Rafinesse im Vordergrund steht. Eine Gewissheit hat sich in der Forschung durchgesetzt: Seit der Inauguration des Rock’n’Roll in den 50ern geht es in erster Linie um den Sound (neben Rhythmus und Image) und nicht um die schrullig-verdorbenen Texte.

Fakt 1: Wie zum Beginn festgestellt, müssen deutsche Texte halbwegs verständlich gesungen sein, ansonsten haben sie bisher anscheinend nur geringe Bedeutung in der Musik. Deshalb sind besonders Bands der Sparten auf Deutsch, die durch klaren Gesang und langsameres Tempo gekennzeichnet sind. Viele Bands mit deutschen Texten kommen aus dem Folk-, Gothic/Dark- und Funmetal. Hier funktioniert der "Lyrics sind keine Lyrik"-Spruch nicht mehr so gut. Die Texter dieser Sparten hegen häufig einen besonderen poetischen Anspruch, der sich auch in der Ästhetik vieler Bands fortsetzt (Plattencover sind vernebelte Waldlandschaften wie bei Goethe/Dürer, besonders sexuell aufgeladene Untodesmotivik in verwunschenen Märchenwäldern im Gothic, aber auch die krassen technisierten Gegenteile der Industrial-Dystopen). Damit die Witze im Funmetal zünden, muss man den Sänger und Bildsprache klar verstehen können (rosafarbene Kostüme und lustig umgedeutsche Coverversionen und Mitgröhlrefrains "Wir ham ne Party" beim J.B.O., die Schlumpfenhitparade für Suffmetaller).

Fakt 2: Eine Besonderheit stellen Rammstein und ihre unzähligen Vorgänger und Nachahmer dar: Das Spiel mit der Riefenstahl’schen Naziästhetik und dem extrem rollenden "R" lassen dieses Deutsch in Ohren ausländischer Hörer besonders deutsch klingen. Einfache und leckere Kost, dank permanentem Four-on-the-floor-Rhythmus ohne viel Schnickschnack und einer grandiosen Bühnenshow.

Die deutsche Sprache nutzt Rammstein nicht aus marktstrategischem Kalkül, sondern ist neben dem Fakt, das Till Lindemanns Vater Lyriker ist, historisch begründet: Die Vorgängerbands von Lindemann und Co. waren DDR-Bands. In der DDR durfte wenig bis nichts in der Sprache des Klassenfeindes gesungen werden, wollte man nicht ein Spielverbot oder sogar Gefängnisstrafen riskieren. Deshalb sind fast alle DDR-Bands bis zur Wende deutschsprachig. Bekanntere DDR-Metalbands sind Formel 1, Macbeth, Pharao oder Regenbogen. Viele Musiker verließen die DDR noch vor der Wende, weshalb die Bands oft nicht lange existierten.

Kurz zusammengefasst: Wer etwas Bedeutungsvolles sagen oder schlicht auffallen möchte, der schreibt deutsche Texte. Wer technisch brillieren will, der bedient sich meist englischer Lyrics, denn die singen und schreiben sich brutaler und einfacher. Der Trend, auch in technisch anspruchsvolleren Disziplinen deutsch zu singen, könnte sich aber weiterhin etablieren. Vielleicht haben Nachwuchsmusiker in Deutschland doch etwas mehr auf dem Herzen und finden abseits der Reproduktion ihre eigene kreative Stimme.

Wir suchen noch Beispiele für ältere und neuere, verbotene und verstörende deutschsprachige Bands. Helft uns, sie zu finden und postet hier in der Kommentarfunktion oder direkt via Facebook auf www.facebook.com/berlinmetaltv

Was derzeit gut geht und deutsche Texte vorweisen kann: Macbeth (Thüringen) oder Callejon (Ruhrgebiet) oder Placenta (Berlin).

Kurzmeldungen

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