Interview: Pathways

14. Dezember 2012 - Rock | Metal
Verfasser: Roman

Wer auf der Suche nach lupenreinem Melodic-Hardcore aus Deutschland ist, kommt nicht um die Band Pathways herum. Mit ihrer derzeitigen EP Heart Grenade hat die Band 7 Songs auf dem Markt, die vor Härte und Melodik nur so strotzen. Bei ihrem Konzert mit Myra, vor der Drop The Bomb Party im K17 hatten wir die Chance, die Jungs aus München persönlich zu befragen.


Mit weniger als zwei Jahren Bandgeschichte zählt ihr ganz klar zu den Hardcore-Newcomern Deutschlands. Was hat euch veranlasst die Band Pathways zu gründen?
Ludwig Urban: Bevor Pathways gegründet wurde, spielten wir alle in verschiedenen Bands aus dem Raum München. Allerdings kannten wir uns bereits vom Sehen, waren befreundet und zwei der Bands teilten sich einen Proberaum. Komischerweise haben sich alle Bands dann aus den verschiedensten Gründen ziemlich zeitgleich aufgelöst. Dadurch hat es sich angeboten etwas zusammen zu machen, was dann auch auf Anhieb geklappt hat. Mit dem Namen Pathways verbinden wir ein Netz aus verzweigten Pfadwegen, denn das Leben ist nie eine Einbahnstraße.  

Die musikalische Prägung der Jugend hat ja einen entscheidenden Einfluss auf das spätere Leben. Mit welcher Musik seid ihr aufgewachsen?
Aaron Rusch: Da gab es ziemlich viel. Hauptsächlich wurden wir durch Metal und Punkrock geprägt, aus denen dann später Hardcore entstand. Außerdem haben wir auch viel Hip-Hop gehört, der teilweise stark mit Hardcore verknüpft ist.  
Jonas Hölscher: Ich glaube in unserer Generation hat so ziemlich jeder das gleiche gehört. Vor allem die Standartsachen wie Limp Bizkit, Korn, Linkin Park, Sum41, Blink 182, Metallica und Iron Maiden. 

Ihr ordnet eure Musik in das Genre Melodic-Hardcore ein, welches in der aktuellen Szene relativ beliebt ist.  Wie stark werdet ihr von anderen Bands aus dieser Gattung beeinflusst?
Marco Frühmorgen: Im Unterschied zu anderen Melodic-Hardcore Bands wie Touche Amore oder The Carrier ist unsere EP Heart Grenate wesentlich härter, aber trotzdem noch melodisch. 
Aaron: In dem Genre gibt es nicht viele Bands, von denen wir uns beeinflussen lassen und wir hatten als Band auch nie vor, einen konkreten Stil zu kopieren. 
Ludwig: Natürlich gibt es da Bands wie The Ghost Inside, For The Fallen Dreams, Obey The Brave und Life Ruiner. Wenn man eine bestimmte Richtung oft hört entwickelt man einen ganz anderen Sinn für die Musik und es kann schon vorkommen, dass man unbewusst inspiriert wird.

Ihr steht bereits das zweite Mal mit Myra auf der Bühne. Die Jungs sind für ihre klaren politischen und sozial-kritischen Ansichten bekannt. Wie geht ihr mit diesen Themen um?
Jonas: Politik und Religion sind in unserer Musik kein Thema. Die Texte Handeln von Zwischenmenschlichen Themen, von alltäglichen Problemen, die viele Menschen ansprechen. Wir wollen den Menschen keine bestimmte Meinung einpressen. 
Aaron: Wir stehen hinter der Musik, die wir machen, aber wir wollen keine politische Stellung beziehen, da das nach unserer Meinung nicht zur Musik gehört. Wir wollen keine Wertung darüber abgeben, welche Seite richtig oder falsch ist. 
Marco: Trotzdem tolerieren wir es, wenn andere Bands ein bestimmtes Konzept verfolgen oder mehr Focus auf diese Themen setzten.

Im Vergleich zu anderen Newcomern könnt ihr bereits auf eine große Anzahl von Referenz-Konzerten (Emmure, Deez Nutz, For The Fallen Dreams...) zurückgreifen. Landeten viele dieser Anfragen bei euch oder verdankt ihr es eurem guten Booking?
Jonas: Also da muss man dazu sagen, der Simon, der sich um unsere Organisation kümmert, hat durch seine Arbeit einige Kontakte in München. Aber auch gerade bei größeren Sachen würden uns die Leute nicht nehmen, wenn sie unsere Musik zu schlecht finden würden. Z.B. bei einer Show in Graz mit Emmure sind wir drei Tage vorher angeschrieben worden, weil Winds of Plague kurzfristig abgesagt haben. Es ist auch immer viel Glück dabei. Außerdem versuchen wir bei jedem Veranstalter  einen guten Eindruck zu hinterlassen.
Marco: Wir haben schon viele Freunde gesammelt und es ist uns wichtig mit anderen Bands in Kontakt zu stehen, um sich genseitig auszutauschen und zu helfen.

Anhand eurer vergangenen Konzerte kann man außerdem erkennen, dass ihr enorm viele Shows von A Traitor Like Judas supported habt. Wie kam es dazu?
Jonas: Die Geschichte mit A Traitor Like Judas war eigentlich ziemlich lustig. Wir haben die Band mehr oder weniger schon immer gehört und haben dann einfach mal auf blöd den Jasper angeschrieben, ob er nicht Lust hätte in einem unserer Songs Guest-Vocals zu machen. Wir haben uns vorher noch nie gesehen und er hat einfach zugesagt, was ziemlich cool von ihm war. Mittlerweile kommen wir super mit den Jungs aus, obwohl sie im Durchschnitt 10 Jahre älter sind als wir. Die Shows haben sich dann einfach ergeben.

Gelingt euch selbst auch schon, andere Bands auf ähnliche Weise zu pushen?
Jonas: Das Problem an und für sich ist, dass wir selber gar keine Shows in München machen, da es sich für uns nicht rentiert. München ist in der Hinsicht echt schwierig und man muss schauen, dass man irgendwo als Support reinkommt, damit überhaupt Leute kommen. Klar empfehlen wir Bands für diverse Shows, aber auswärts ist es für uns selbst schwer, irgendwo reinzukommen. 

Wenn wir schon einmal bei dem Thema sind: Für kleinere Bands aus der Szene wird es zurzeit immer schwerer die Konzerte zu füllen. Was ist in euren Augen die Ursache dafür?
Jonas: Das Interesse für die Musik ist auf jeden Fall noch da und die Szene stirbt auch nicht aus. Ich glaube ein Problem ist, dass viele Kids nur die großen Acts kennen und sich nur für sie interessieren. Da gehen sie hin und bezahlen auch 40 Euro für die Karte, aber bei kleineren Sachen sind die Leute geiziger. Alles unter 10 Euro ist ok, aber was darüber geht ist dann wieder schwierig. Da kann man aber keine genaue Definition finden und sollte die Szene nicht verallgemeinern. 
Marco: Es passiert uns selbst auch, aber man darf sich dadurch nicht runterziehen lassen. Wenn man sich nicht hängen lässt, egal ob man vor 5 oder 1000 Leuten spielt, dann ist jede Show eine Belohnung. 
Ludwig: Oft ist es auch nur eine Frage des Marketings. Die optische Werbung muss interessant gestaltet werden, damit man sich über die Band informiert.

Als abschließende Frage: Was habt ihr in der nächsten Zukunft  geplant? Welche Ziele habt ihr euch gesetzt?
Jonas: Der Focus liegt erst einmal auf unserem Debut-Album, aber parallel laufen schon die Vorbereitungen für eine Tour. Ich denke wir haben uns eine ganz anständige Fanbase aufgebaut in den anderthalb Jahren, die wir jetzt unterwegs sind. Die Frage ist jetzt, schließt man sich an irgendeine größere Band an und macht eine Support-Tour oder spielt man an Wochenenden hintereinander. Unser neues Zeug ist noch mal eine Spur härter, als das, was wir bisher gemacht haben. Wir nehmen grad zwei Singles auf, zu denen es dann noch Videoclips geben wird. Im März fangen wir dann an, das komplette Album zu recorden. Bis jetzt läuft es echt gut für uns und wir müssen uns nicht verstecken. Der Grundplan steht, aber wir versteifen uns nicht, wir machen einfach so weiter, wie wir angefangen haben.


berlinmusic.tv ist ein Projekt der Initiative der Studenten des Forschungszentrums für Populäre Musik der Humboldt Universität Berlin. Dabei handelt es sich um eine Plattform für Musik aus Berlin: Berliner Musiker, Berliner Bands, Projekte und alle von Berlin inspirierten Musikliebhaber. Wir veröffentlichen Interviews, Portraits, Reviews, Veranstaltungstipps von Berliner Musikern und darüber hinaus in Schrift, Bild, Ton und vor allem Videoformaten.










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