„Wir wollen der heiße Scheiß sein“ - Die Sterne im Interview

12. Dezember 2011 - Pop
Verfasser: Mareike Hoffmann

Frank Spilker im Gespräch über Hamburg, Berlin und das schwer zu vertuschende 20. Band-Jubiläum der Sterne.


Interview: Mareike Hoffmann

 

Die Sterne sind einer der wichtigsten Vertreter der Hamburger Schule. Habt ihr trotzdem auch einen Koffer in Berlin?
Ja, keinen Grundbesitz, aber einen Koffer! Hamburger Schule ist ja im Prinzip ein Marketing-Begriff, der den Sound einer lokalen Szene hypen soll. Das hat aber nichts mit den Biografien der einzelnen Leute zu tun. Als Musiker kommt man ja eh viel herum, ähnlich wie ein Lastwagenfahrer. Für mich ist Heimat da, wo man Freunde hat. Alles andere ist abstrakt und oft herbeigeredet.

 

Euer Ausgangspunkt war aber immer Hamburg. War für euch als Band Berlin mit seinem freiheitlichen Geist nie attraktiver?
Für mich ist es eigentlich egal, wo ich arbeite, aber man ist ja auch familiär verwurzelt. Unser Schlagzeuger, Christoph, wohnt seit über 10 Jahren in Berlin. Ich habe auch in Berlin nicht weniger Freunde als in Hamburg. Hier gibt es viele Gleichgesinnte, die Hamburger Szene ist viel kleiner. Da hängt man immer mit den gleichen Hanseln rum.

 

2012 feiern Die Sterne 20. Geburtstag. An so einem Jubiläum kommt man als Band nicht vorbei, oder?
Nicht ganz. Aber wir versuchen, das Jubiläum ein bisschen zu vertuschen. Es ist ja eher uncool, als Band 20 Jahre alt zu werden. Wir wollen ja der heiße Scheiß sein und nicht hören: ‚toll, ihr buckelt da schon so lange rum’!

 

Aber ein Mini-Album mit neuen Versionen von alten Songs bringt ihr pünktlich zum Geburtstag schon raus. 
Ja, das sind Songs, die wir im Live-Programm oft spielen, die aber nicht mehr auf CD erhältlich sind. Das Album heißt ja „Für Anfänger“ und richtet sich vor allem an jüngere Leute, die die Sachen noch gar nicht kennen.

 

Ihr seid den „Anfängern“ gegenüber aufgeschlossen?
Genau, wir arbeiten daran, dass sich auch nachfolgende Generationen noch für unsere Musik interessieren.

 

Ein Lied wie „Was hat dich bloß so ruiniert“ ist 15 Jahre alt. Merkst du heute beim Spielen noch die gleichen Impulse wie damals, als du den Song geschrieben hast?
Wenn ich noch wüsste, woran ich vor 15 Jahren gedacht habe! Bei dem Stück ist das Entscheidende, dass es nicht jammert. Stattdessen stellt es Fragen, die sich jeder selbst beantworten kann. Diese Fragen stelle ich mir auch immer noch selbst.

 

Verändern sich die Songs auch mit der Zeit?
Auf jeden Fall. Manche funktionieren jetzt sogar besser. Nachdem man ein Stück 10 Jahre lang spielt, merkt man manchmal, wie es besser klingt. „Was hat dich bloß so ruiniert“ ist zum Beispiel viel langsamer geworden. 

 

Der Song taucht auch im neuen Film von Christian Ulmen auf, „Jonas“, der am 5.1.12 in den Kinos anläuft. Wie kam es dazu?
Wir finden Christian Ulmen total gut und der Song passt inhaltlich perfekt. „Jonas“ ist eine Art Impro-Doku, in der Christian Ulmen einen Schüler spielt, der eine letzte Chance bekommt, die 10. Klasse zu schaffen. Dabei zeigen sich viele Konflikte von Schülern und Lehrern. Der Song kommentiert das wunderbar.

 

Hand aufs Herz – wie stehen die Chancen für weitere 20 Jahre Sterne?
Das ist auch eine finanzielle Frage. Aber im Moment bin ich sehr optimistisch. Wir arbeiten gerade an unserem neuen Album, das Anfang 2013 erscheinen soll. Jeder von uns hat aber auch seine Nebenprojekte. Unser Bassist macht viel mit Theater, ich schreibe gerade einen Roman. Aber wir können immer noch Die Sterne sein, weil es Phasen gibt, in denen wir uns genau darauf konzentrieren. Man kann sagen, wir sind ein vitales Unternehmen!

 

Die Sterne - „Für Anfänger“ erscheint am 20.1.2012.

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