Wie war's: KRS-One im Festsaal Kreuzberg

08. November 2010 - HipHop | Reggae
Verfasser: Anthony Obst

Berlin Rap City: KRS-One und Supernatural verwandelten den Festsaal Kreuzberg am 04.11. in einen Hip-Hop-Tempel.


Es ist Donnerstagnachmittag und ich entscheide mich spontan doch noch dazu, mir für das KRS-One Konzert am heutigen Abend schon im Vorfeld eine Karte zu besorgen. Ich dachte mir zunächst, der Festsaal ist groß und die Anhängerschaft des Blastmasters wird die vorhandenen Kapazitäten wohl kaum auslasten. Ich sollte mich schwer getäuscht haben. Denn als ich bei meinem Tickethändler in Mitte nachfrage, erteilen sie mir die Schreckensnachricht, dass ihr Kartenkontingent ausgeschöpft sei. Mit einer aufsteigenden Panik im Schlepptau mache ich mich so schnell wie möglich auf den Weg nach Kreuzberg, um dort bei einer anderen Vorverkaufsstelle mein Glück zu versuchen. Hier habe ich – Gott sei es gedankt – mehr Erfolg und ergattere eine der letzten vorhandenen Karten. Etwas verblüfft über die rege Nachfrage stelle ich mich auf einen unterhaltsamen Abend ein.

 

Um 21:00 vorm Festsaal dann ein beeindruckendes Bild: Ein Aufmarsch wie ich ihn hier vorher noch nie so gesehen hatte. Die Heads hatten sich an der Skalitzer Straße in Scharen versammelt; alle waren sie gekommen, um den Worten des Teacha’s zu horchen.

Drinnen geht die Party dann auch ohne große Verzögerung gleich gut los. Ein durchgeknallt-genialer James Brown-Imitator gibt einige Hits der Funk-Legende zum Besten und verbreitet so den passenden Old-School-Vibe. Aus „I’m black and I’m proud“ macht der Entertainer kurzerhand ein „Hip hop and I’m proud“ and everyone is saying it loud… Die Anspannung bzw. Vorfreude auf den Hauptact des Abends scheint zum Greifen nah.

Um jegliches stimmungstechnisches Abebben zu verhindern, betritt nach diesem schwungvollen Intro DJ Kenny Parker – als Boogie Down Productions Mitglied KRS-One’s partner-in-crime seit 1987 – höchstpersönlich die Bühne und heizt das Publikum mit einer feinen Auswahl an Hip-Hop-Klassikern nochmals an. Höhepunkt des Sets ist Dead Prez‘ notorische, alle-Trommelfelle-in-der-Umgebung-zum-vibrieren-bringende Hymne „Hip Hop“, deren mantrahafter Refrain zum Credo dieses Abends werden wird: „It is bigger than hip hop“.

Beweise hierfür liefert der durch einen fließenden Übergang zu „The Bridge is Over“ eingeleitete Blastmaster KRS im Laufe seiner darauffolgenden Show zur Genüge. Mit einer Energie, wie man sie diesem 45-jährigen wohl kaum zugetraut hätte, zelebriert der Routinier seine Liebe zur Musik, zur Kultur des Hip Hop und zu dessen Lebensstil. Zunächst erfreut er seine Jünger mit einigen Prunkstücken seiner inzwischen fast 25-jährigen Karriere, wie zum Beispiel „South Bronx“ und „MC’s Act Like They Don’t Know“. Anschließend stellt er seinen Überraschungsgast vor: Supernatural, den Großmeister des Freestyle. Dieser beeindruckt selbst den letzten Skeptiker in der Menge mit seinen furiosen Improvisationseinlagen. Sei es durch sein musikalisches Rollenspiel auf „Three MC’s“, bei dem er Stil und Sprache der Rapgrößen Slick Rick, Busta Rhymes und Notorious B.I.G. erstaunlich genau imitiert, durch die sympathische Interaktion mit dem Publikum, welches er auffordert, ihm Gegenstände auf die Bühne zu reichen, die er dann in seine improvisierten Raps einbaut, oder durch imposant-souveräne Freestyleeinlagen auf Reggea-Beats – Supernatural tritt aus dem Schatten des Headliners hervor, begeistert die Menge und macht sich so zu einem weiteren Hauptakteur des Abends.

KRS-One jedoch scheint es nicht im Geringsten zu stören, dass ihm sein Hypeman bisweilen die Show stiehlt. Vielmehr scheint er sich darüber zu freuen, dass die Leute Supernaturals Fähigkeiten als MC so wertschätzen und einfach nur die Kunst der Rap-Musik feiern. Ihm geht es nicht um Selbstinszenierung. Was er seinen Anhängern bieten möchte, ist eine erstklassige back-to-the-roots Hip-Hop-Party. Hierfür ruft er dann auch noch die Breakdancer unter den Zuschauern dazu auf, zu ihm auf die Bühne zu kommen, um die Bedeutung des Hip-Hop jenseits der Rap-Musik zu veranschaulichen. Die Veranstaltung mutiert immer mehr von einem Rap-Konzert zu einer kulturellen Zelebration, und KRS betont wiederholt: „Rap is something you do, hip hop is something you live“ und lässt den Satz „Real hip hop is…“ durch ein „…over here!“ des Publikums ergänzen.

Unterdessen gibt der Teacha auch einige seiner eigenen Freestyles zum Besten und natürlich auch weitere seiner unzähligen Klassiker. Liedern wie „Sound of da Police“, „Outta Here“, „I’m Still Number 1“ und „9mm Goes Bang“ verleiht die Unterstützung, die er jetzt von Supernatural bekommt, noch einmal mehr Power und bei „Stop the Violence“ singt das ganze Haus wie aus einer Stimme mit.

Ihre letzten Worte des Abends widmen KRS-One und Supernatural dann noch den Graffiti-Künstlern Berlins, von denen sie sich schwer beeindruckt zeigen. Der Kreis schließt sich: alle drei Kunstformen des Hip-Hop sind heute unter diesem Dach vereint. Und außerdem noch eine riesige Menge an Menschen, die wissen, was KRS-One mit Hip-Hop „leben“ meint. Denn real hip hop is over here.

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