Paul Kalkbrenner über sein neues Album "Guten Tag"

26. November 2012 - Electronic
Verfasser: Milena Marie

Paul Kalkbrenner veröffentlicht am 30.November sein bereits 8. Studioalbum. Wir haben vorab ein paar Einblicke über die neue Platte bekommen.

Bereits 1992 warst du als DJ in Jugendclubs unterwegs. Dann, 1999 erschien deine erste EP unter dem Pseudonym Pauldb+. Nach drei Studioalben erfolgte 2009 durch den Soundtrack von "Berlin Calling" der Durchbruch in der Musikbranche. Im Film "Berlin Calling" spielst du den Berliner DJ Ickarus, der die Hauptfigur ist. Diese Parallele sorgte schon oft für Verwirrung. Wer ist Paul und wer Ickarus?

Paul: Paul Kalkbrenner ist ein junger Mann aus Berlin, der macht Technomusik und tritt auf großen Bühnen auf. Er wurde in Leipzig geboren 1977, verzog dann schon sehr früh nach Berlin und wuchs in Berlin Lichtenberg auf - im Osten. Vor dem Mauerfall ein recht beschaulicher Ostberliner Bezirk, nach dem Mauerfall wegen allem Möglichen, Techno auch Neonazis und anderen Umtreiben auch teilweise für Jugendliche ein gefährliches Pflaster. Heute wohnt der junge Herr in Berlin Mitte, Lichtjahre von Lichtenberg entfernt - für den damaligen Paul. [...] Obwohl wir nix dagegen unternommen haben, dass viele Leute auch gerade direkt so 2009 nach dem Film auch gar nicht wussten wer ist wer, Ickarus, Paule, wat? Der tritt einfach nur sozusagen aus der Leinwand raus - weil die Visuals waren ja noch so "Berlin Calling" - und steht dann da und spielt dann auf einmal die Musik. Das ist so ein Jekyll Hyde Thing, mit dem haben wir auch gerne so, wir haben nicht damit, wir haben es nicht forciert, aber wir haben auch nicht so versucht - auf Teufel komm raus - Sachen klarzustellen.

Als Electro-Act wird Paul fälschlicherweise oft als DJ bezeichnet, obwohl er viel mehr tut, als bloß Platten zu spielen. Er arrangiert seine Stücke auf den großen Bühnen oft neu und spielt live, doch die Grenzen zwischen Life-Act und DJ verschwimmen immer mehr.

Paul: Da habe ich mich eine zeitlang drüber aufgeregt und so, aber man kann es eh nicht allen erklären, dass man jetzt kein DJ ist und jetzt eben live spielt. Aber ab einem gewissen Punkt ist es mir auch relativ egal geworden. Soll das jeder so sagen wie er will. Also ich habe da eine Gelassenheit entwickelt, mich da nicht mehr drüber aufzuregen. Und versuchen es jedem zu erklären. Also jemand der auflegt, der mischt ja quasi, rein theoretisch, also im Prinzip ja zwei Audio-Quellen - egal ob es zwei Schallplatten oder Files oder CD-Players sind - ineinander. Jemand der live spielt, so wie wir das schon immer - von Anfang an - verstanden haben - als Electronic-Act - ist jemand, der sozusagen da vielspurig - früher kam das halt: da eine Drum Machine, da ein Synthesizer, aber am Ende dann doch alles in so einen Mischer, so wie ich das heute auch noch immer mache. Und kann dort meine Songs auf der Bühne quasi neu arrangieren. Das macht wesentlich mehr Spaß.

Dein Erfolg ist bahnbrechend. Seit dem "Berlin Calling" Soundtrack jagt ein Erfolg den Nächsten. Die Single-Auskopplung von "Sky and Sand" hast du mit deinem jüngeren Bruder Fritz, der ebenfalls als Musikproduzent tätig ist, produziert. Der Track erschien 2009 und brach seitdem Rekorde. Er ist bereits 126 Wochen in den deutschen Top 100 Charts. Seit 1977 hat das keiner mehr geschafft. Wie kann man diesen Erfolg erklären?

Paul: Ich glaube, das ist so erfolgreich, weil ich schon immer das Gleiche mache - konsequent - das so durchziehe. Und die meisten Leute nicht zu doof sind das zu bemerken, wer das jetzt macht und wer etwas ganz anderes und wer schon immer seins macht. Eine andere Erklärung habe ich nicht. Es kann nur das sein. Die Titelnamen Deines neuen Albums sind zum Großteil Zungenbrecher.

Was hat es damit auf sich und was steckt hinter dem Albumtitel?

Paul: Das ist Dada und bedeutet in den meisten Fällen Nichts oder ein Sachverhalt, den eh nur zwei bis drei Personen verstehen und die müssen dabei gewesen sein ansonsten hat es keinen Sinn. Wenn es irgendetwas sagen soll, ist es das, dass ein guter Song heißen kann wie er will. Es ist vollkommen egal. Auch auf einem internationalen Markt, der darf auch Speisebernchen heißen. Dann muss der Radio-Moderator auch Speisebernchen sagen, wenn der dann läuft. Das ist also, wenn da eine Attitude steckt, dann ist es die. "Guten Tag" heißt das Album. Es ist ein internationaler Titel - er ist deutsch, aber international Verständlich. Und passt deswegen gut. Und ja, wenn das Album einen Titel haben soll, dann "Guten Tag" - finde ich gut. Aber auf jeden fall sollte er deutsch sein. Der Albumtitel soll ja nicht so schlimm sein, wie die Songnamen. Der Albumtitel sollte so sein, dass man ihn wenigstens aussprechen kann - selbst wenn man kein Deutsch spricht.

Hier noch das neuste Video von Paul Kalkbrenner, aufgenommen auf dem Berlin Festival 2012
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